RIP: Studio Ghibli schließt seine Tore, Animationsstudio vor Auflösung? (Update)

UPDATE: Nach den ersten Meldungen, dass das Studio Ghibli die Tore schließt, tauchen auch schon Meldungen auf, die ein nicht ganz so düsteres Bild malen. Klar ist aber auf jeden Fall, dass das Studio Ghibli eine Pause einlegen wird, was die Produktion von Langfilmen angeht.

Fakt ist auch, dass ein grosser Teil der Angestellten mit Langzeit-Verträgen ausgerüstet ist und die sind für das Studio ganz einfach nicht mehr tragbar, wenn kein Miyazaki-Film, der zwar teuer in der Produktion ist, aber auch den entsprechenden Gewinn abwirft, in Aussicht steht. Es sieht danach aus, dass man einen Neustart plant, dessen genauer Zeitpunkt noch nicht bestimmt ist. Zuerst heisst es, neu organisieren und abwarten. In Zukunft wird man auf Freelancer setzen, wie man das auch schon früher gehandhabt hatte.

Die Abteilung für Werbungen und Musikvideos Momonoma soll weiterhin unterhalten werden.

Weitere Updates folgen…

URSPRÜNGLICHE NACHRICHT:
ghibli-21-movie-mural-post (1)Das Ende einer Ära und ein trauriger Tag für alle Anime und Animationsfans aber insbesondere für alle Anhänger der guten, alten Zeichentrickkunst: Wie Ghibli Mitbegründer und Geschäftsführer Toshio Suzuki eben über das japanische Fernsehen bekannt gab, wird mit sofortiger Wirkung die legendäre Animationsabteilung von Studio Ghibli, die für beliebte und erfolgreiche Animes wie “Das Schloss im Himmel”, “Die letzten Glühwürmchen”, “Prinzessin Mononoke”, “Chihiros Reise ins Zauberland” oder “Ponyo” verantwortlich zeichnete, geschlossen und die Mitarbeiter (mit Langzeitverträgen) allen Voraussicht entlassen. Die explodierenden Produktionskosten der Filme und die enttäuschenden Einspielergebnisse von “Die Legende von Prinzessin Kaguya” (Deutschlandstart: 20.11.2014) im Frühjahr wurden als Grund genannt. Somit wäre “When Marnie Was There, der am 19. Juli in die japanischen Kinos kam, der offiziell letzte Film des legendären Anime Studios. Ganz ehrlich, ich bin geschockt…

Seit Jahren gab es Anzeichen darauf, dass die Zukunft von Studio Ghibli in einer Sackgasse enden könnte. Gerüchte, die sich in den letzten 12 Monaten zusehends verdichteten – insbesondere als Meister Hayo Miyazaki (der das Studio 1985 mitbegründete und seit dem leitete) nach mehreren Ankündigungen endgültig in den Ruhestand trat und von Plänen sprach, aus dem Studio ein reiner Verwertungsapparat zu machen, der sich nur noch um die eigenen Marken kümmern solle. Auch dass ein anderer Ghibli Gründer, Ghibli Toshio Suzuki, von seinem Produzentenposten zurücktrat und als Geschäftsführer sich administrativen Aufgaben widmete, ließ nichts Gutes erahnen. In den letzten Tagen erreichte die Gerüchteküche schließlich ihren Siedepunkt, als unbestätigte Insider durchsickern ließen, “When Marnie Was There” könnte der letzte Film werden. Aber niemand wollte es so recht wahrhaben. Warum auch? Studio Ghibli ist eine Animations- und Animeinstitution. Sorgte fast mit jedem Film für Begeisterung und volle Kinosäle und auch die Zukunft sah mit Nachwuchsregisseuren wie Hiromasa Yonebayashi (“Arrietty“) oder Goro Miyazaki (“Der Mohnblumenberg”) vielversprechend aus.

Doch nun holte uns scheinbar die Realität ein. Ghibli Geschäftsführer Toshio Suzuki bestätigte die Gerüchte, dass man über die Zukunft des Studios nachdenke und auch eine Schließung der Animationsabteilung möglich ist. In diesem Fall würde man den Firmennamen nur noch – wie gemunkelt – zu treuhänderischen Zwecken mit kleiner Belegschaft fortzuführen. Man lasse sich aber die Option für zukünftige Animationsprojekte offen, diese würde man wieder verstärkt mit Hilfe von Freelancern umsetzen wie es in der Vergangenheit (zb. “Porco Rosso”) geschehen ist. Über die Gründe kann nur spekuliert werden, auch wenn das enttäuschende Abschneiden von “Die Legende von Prinzessin Kaguya” an den Kinokassen (50 Mio. Dollar) als ein Grund angegeben wurde. Zudem sprachen Studio nahe Quellen noch im September 2013, dass auch Hayao Miyazakis letzter Film “Wie der Wind sich hebt” (“The Wind Rises”) aufgrund seiner enormen Kosten es nur schleppend in die grünen Zahlen schaffte (damals wurden das damalige Einspielergebnis von 90 Millionen Dollar als unzureichend eingestuft, mittlerweile steht der Film global bei 120 Mio.)

“Es gibt keine andere Wahl außer der Auflösung des Studios, da es nicht in der Lage ist, jedes Jahr einen neuen Film anzukündigen.” so anonyme Quellen. In Zeiten, in denen Animationsstudios zwei bis vier Filme pro Jahr veröffentlichen müssen um ihre hohen Kosten zu decken, scheint das eine bittere Wahrheit, zumal nach Miyazakis Ruhestand das erfolgreichste Pferd im Stall, dass den Laden scheinbar fast im Alleingang finanzierte, nun endgültig ausgeschieden ist. Selbst Pixar musste sich dem wirtschaftlichen Druck beugen und expandierte vor einigen Jahren massiv um zwei Filme pro Jahr stemmen zu können – was ab 2015 zum Tragen kommen soll.

Wie sagte Meister Hayao Miyazaki einst:
“If [hand-drawn animation] is a dying craft, we can’t do anything about it. Civilization moves on. Where are all the fresco painters now? Where are the landscape artists? What are they doing now? The world is changing. I have been very fortunate to be able to do the same job for 40 years. That’s rare in any era.”

Miyazaki war schon immer Realist. Nahm die Welt wie sie war. So auch in der Ghibli-Dokumentation The Kingdom of Dreams and Madness, als er über die Zukunft seines Studios gefragt wurde: Aren’t you worried about the studio’s future?

Diese nüchterne Betrachtungsweise schmerzt natürlich uns Fans doppelt. Miyazaki, der über 40 Jahre lang erfolgreich seiner Berufung nachging, scheint während den letzten Jahren sich mit dem Gedanken abgefunden zu haben, dass mit ihm auch sein Studio enden könnte. Schwer zu sagen, wem sich der Regisseur mit Aussagen wie “It’s only a name”  etwas vormachen möchte. Auf jeden Fall spricht er nur für sich selbst, für uns (und die gesamte Animationswelt) ist Ghibli längst zum einem der letzten Leuchtfeuer des klassischen Animationsfilms geworden. In Zeiten in den Disney bereits mehrfach das Handtuch warf, war das Studio mit einigen weiteren Animestudios der Fels in der CG-Brandung. Mit Betonung auf war, wie sich nun herausstellt.

Mehr zur Schließung, Hintergründe zum Studio und die Zukunft des Anime- und Zeichentrickfilms folgen in Kürze…

(Quellen: 1, 2, 3)

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