Pixars 22 Regeln für gutes Storytelling

Pixars 22 Regeln für gutes Storytelling: Emma Coats, Story Artist bei Pixar, twitterte während den vergangenen eineinhalb Monaten eine Reihe von “Story Basics”. Regeln, wie man gute und ansprechende Geschichten schreibt, die sie von ihren älteren Pixar-Kollegen beigebracht bekam. 22 davon wurden nun in einem Blogeintrag knapp zusammengefasst. Sehr interessante Liste, nicht nur für Filmstudenten und Drehbuch-Schreiberlinge. In diesen Kontext passt auch John Lasseters berühmtes Zitat, was eine gute Geschichte auszeichnet:

 

Um einen wirklich unterhaltsamen Film zu drehen, den die Leute so schnell nicht vergessen werden, braucht man eine aussergewöhnliche gute Geschichte voller Emotionen und Humor sowie liebenswürdige, wahrhaftige Charaktere, die in einer glaubwürdigen Welt leben. Das Publikum will Dinge sehen, die es nie zuvor gesehen hat. Das Publikum will mit Fantasie überrascht werden. Aber es will immer auch etwas wiedererkennen und sich von einem Szenario persönlich angesprochen werden.

Nun aber Emma Coats gesammelte Pixar-Regeln (sinngemäß übersetzt):

# 1: Man muss eine Figur für ihre Versuche, etwas zu erreichen, mehr bewundern können, als für ihre erreichten Erfolge.

# 2: Vergiss nie, was dich als Zuschauer interessiert, nicht was dir als Autor Spaß machen würde. Dies kann sich unterscheiden.

#3: Versuch über ein Thema zu schreiben. Oft wirst du erst erkennen, worüber deine Geschichte wirklich handelt, wenn du am Ende angelangt bist. Überarbeite anschließend dementsprechend deinen Entwurf.

#4: Es war einmal ___. Jeden Tag, ___. Eines Tages ___. Aus diesem Grund, ___. Bis schließlich ___.

#5: Vereinfache. Fokussiere. Verschmelze Charaktere. Vermeide Umwege. Es wird dir nicht leicht fallen, aber es befreit dich.

#6: Was beherrscht dein Charakter gut? Wann fühlt er sich wohl? Erkenne die Gegenteile davon und konfrontiere ihn damit. Fordere ihn. Wie würde er handeln?

#7: Sei dir über das Ende deiner Geschichte im klaren bevor du den Mittelteil beendet hast. Ernsthaft! Der Schluss einer Geschichte ist harte Arbeit und kann dich sonst behindern.

#8: Beende deine Geschichte, lass sie ruhen auch wenn sie nicht perfekt ist. Was sie nie sein wird. Mach dich an die nächste Story und lern aus deinen Fehlern.

#9: Wenn du nicht weiter kommst, erstelle eine Liste mit Dingen, die NICHT als nächstes passieren sollen. Häufig wird dich diese Liste weiterbringen.

#10: Analysiere Geschichten, die dich ansprechen. Die Elemente, die du an diesen magst, ist ein Teil von dir. Bevor du sie aber für deine Zwecke verwenden kannst, musst du sie erkennen und verstehen.

#11: Es auf Papier zu bannen, hilft dir, es zu bearbeiten. Wenn du es nur in deinem Kopf mit dir herumträgst – womöglich die perfekte Idee – wird sie nie jemand zu sehen bekommen.

#12: Wirf die erste Idee weg. Und die Zweite. Dritte. Vierte, Fünfte… vermeide das Offensichtliche. Überrasche dich selbst!

#13: Gib deinen Charakteren Meinungen. Passive/formbare Charaktere wirken auf dich während dem Schreiben vielleicht symphatischer, aber es ist Gift für den Zuschauer.

#14: Was bringt dich dazu, ausgerechnet diese Geschichte zu erzählen? Was hält für dich die Flamme der Story am brennen? Erkenne diesen Kern und bewahre ihn.

#15: Wenn du dein Charakter wärst, was würdest du in dieser Situation fühlen? Ehrlichkeit verleiht unglaublichen Situationen Glaubwürdigkeit.

#16: Was steht auf dem Spiel? Gib dem Zuschauer Gründe, um sich auf deinen Charakter einzulassen. Was passiert, wenn er scheitert? Lass es so aussehen, als könne er nur scheitern.

#17: Keine Mühe ist jemals umsonst. Wenn etwas nicht funktioniert, lege es zur Seite und mach an anderer Stelle weiter. Es kommt der Zeitpunkt, da wird die Idee/Mühe ihre Verwendung finden.

#18: Du musst dich selbst kennen: den Unterschied zwischen “dein Bestes geben” und rumjammern. Story besteht aus testen, nicht verfeinern.

#19: Zufälle, um Charaktere in Schwierigkeiten zu bringen, sind großartig; Zufälle, um sie aus Schwierigkeiten herauszuholen, sind billig.

#20: Aufgabe: Nimm die Bausteine eines Films, den du nicht magst. Wie würdest du sie neu anordnen, um einen Film zu erhalten, den du magst?

#21: Es reicht nicht einfach “coole” Szenen zu schreiben. Du musst dich mit deinen Situationen/Charakteren identifizieren. Was würde DICH dazu bringen, so zu handeln, wie in deiner Geschichte?

#22: Was ist die Essenz deiner Geschichte? Was ist die ökonomischste Art, sie zu erzählen? Wenn du das weißt, kannst du dort ansetzen.

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  • http://www.blogbusters.ch Cem

    Schöner Beitrag! Sind ja alle Tipps echt spannend. Mir persönlich gefällt #19 jedoch am Besten, weil genau diesen Fehler soviele Filmemacher – inbesondere auch abseits des Animations-Genres – begehen.

  • http://www.orlindofrick.li goodspeed

    Oh ja! Aber auch #15 und #21 sollte sich so mancher Storyteller zu Herzen nehmen…

    • http://www.blogbusters.ch Cem

      Absolut! Storyteller würden gut daran tun, sich alle 21 Tipps zu Herzen zu nehmen.

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  • http://owley.ch Owley

    Sehr gut. Klingt alles so bubileicht. Dabei ist das hohe Schule. Finde ich.

  • http://www.blogbusters.ch Cem

    @Owley: Logisch! Aber es sind geniale Tipps. Der Rest heisst: Skills. Die braucht ein Autor ja schliesslich auch noch. Sonst könnte es ja jeder. Sogar du! :P

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  • http://schspin.wordpress.com/ SchspIN

    Ja, #19 ist gut, – klasse finde ich aber auch #9. Die könnte noch erweitert werden um “Erstelle eine Liste mit Dingen, die üblicherweise in Filmen als nächstes passieren (aber in Deinem Film auf gar keinen Fall!)”.
    Leider scheint ja gerade ein “das hat schon mal funktioniert” viele TV-Redaktionen zu verleiten, Bekanntes ständig zu wiederholen und zu reproduzieren. (Aber vielleicht hatten die dann auch einfach nur eine falsche Übersetzung des “Das Publikum will Dinge sehen, die es NIE zuvor gesehen hat. “-Lasseter-Zitats gelesen. ^^)

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