Musikvideo: “Kolumbus” und die Entdeckung einer neuen (Legetrick-)Welt

Einen besonderen Leckerbissen kommt dieses Mal aus Berlin aus dem Animationsstudio Talking Animals. Für die Band Keimzeit entwarfen die Regisseurinnen Sonja Rohleder & Veronika Samartseva ein Musikvideo mit einer eigenen Paper-Cut-Out Ästhetik, die sich nicht bloß dem Song Kolumbus auf sehr behutsame Weise anpasst, sondern dem Kontext des Liedes noch ein paar zusätzliche Fassetten verleiht.

Sonja Rohleder, eine der Regisseurinnen des Musikvideos, war freundlicherweise damit einverstanden, AniCH einige Einblicke in die Produktion von Kolumbus zu gewähren. Das Video selbst findet ihr am Ende des Artikels.

Insgesamt dauerte die Produktion des Musikvideos drei Monate. Davon dauerten allein der Animationsprozess zweieinhalb Monate. Der Auftrag für das Video kam von Norbert Leisegang, dem Sänger der Band, der den beiden Regisseurinnen alle Freiheiten ließ. Sonja habe sich den Song vom Album ausgesucht, ein grobes Konzept vorgestellt und der Band im Laufe der Zeit Zwischenstände geschickt, was eine sehr schöne und unkomplizierte Zusammenarbeit gewesen sei. Sonja Rohleder hatte die Idee für die Handlung und habe anschließend zusammen mit Veronika Samartseva das Animatic ausgearbeitet. Ihr war es wichtig, eine einfache Formsprache für den Film zu finden, um dem Betrachter Raum für eigene Ideen zu lassen. Veronika hat daraufhin das zauberhafte Design aus Papier entworfen. Das ging ziemlich schnell und sie war begeistert von Veronikas Ideen. Alle Designs im Film stammen aus der Hand von Veronika, die Sonja als Bildmaterial für den digitalen Legetrick dienten und die sie mit Farbkorrektur und Compositing zu einer Einheit verband.

Auf klassische, analoge Art wurden im Musikvideo der Vogel, die Frauen im Wasser, der Hai und der Wolf animiert. Elemente, die dadurch noch lebendiger wirken, wie die Regisseurin kommentiert. Der Rest wie Kolumbus selbst, die kleinen Fische, alle Hintergründe, das Boot, die zahlreichen Schiffe, die Matrosen und vieles mehr sind digital erstellt und animiert worden, was ihr erlaubte, in kurzer Zeit viel Material zu erstellen.

Veronika Samartseva und sie kennen sich seit dem Studium und arbeiten beide im Studio der Talking Animals. Sie arbeiten schon lange mit Legetrick. Diese Technik habe den Vorteil, dass man mit komplexen Strukturen wie mit Papier oder Fotos arbeiten könne. Während der Produktion von Kolumbus konzentrierte sich Sonja Rohleder auf den Aspekt des digitalen Legetrick in After Effect mit Hilfe von inverser Kinematic. Wie sie sagt, bevorzugt sie sie an Animation, Compositing sowie Farbkorrektur in einem Schritt zu bearbeiten, was ihr die digitale Arbeitsweise ermöglicht. Sie werfe erst einmal alle Bildelemente zusammen und fange dann an zu basteln.

Veronika Samartseva arbeitet seit acht Jahren mit klassischem, analogen Legetrick unter der Kamera. Im Gegensatz zur digitalen Arbeitsweise, baue sie zuerst eine Szene mit den Bildelementen unter der Kamera komplett auf und leuchte sie anschließend aus. Danach beginne die Animation, was ein sehr konzentrierter Prozess darstelle, da alle Bewegungen beim ersten Versuch sitzen müssen. Zwar arbeitet Veronika auch mit Stopmotion-Software, was ihren Arbeitsprozess erleichtert, dennoch hat sie für diesen Film viel recherchiert und musste sich beispielsweise erst in die Bewegung eines Wolfes und eines Hais hineinversetzen. Wie Sonja Rohleder bemerkt, ist für sie immer wieder faszinierend, wie Veronika es schafft, mit ein paar Stücken Papier etwas so schönes zu animieren.

Wir gratulieren den beiden Regisseurinnen, dem Studio Talking Animals und der Band für dieses sehr gelungene Stück Animation. Einen herzlichen Dank auch an Sonja Rohleder für die interessanten Einblicke.

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